
links © Christopher Schlesinger, rechts © Michael Wittig
Was geschieht, wenn zwei Künstler demselben Menschen begegnen?
Für die gemeinsame Ausstellung „MENSCH SEIN - in Fotografie und Skulptur“ haben Holzbildhauer Christopher Schlesinger und Fotograf Michael Wittig mit denselben Menschen gearbeitet. Aus dieser gemeinsamen Ausgangssituation entstehen zwei unterschiedliche künstlerische Positionen – und ein
Dialog zwischen Abbild und Abstraktion, Körper und Material, Wirklichkeit und Interpretation.
Michael Wittigs Fotografien suchen die unmittelbare Begegnung. Seine Aktbilder verzichten auf Inszenierung und idealisierende Überhöhung. Der Körper wird nicht zum Objekt, sondern zum Ausgangspunkt einer persönlichen Wahrnehmung. In reduzierten, einfühlsamen Bildern entstehen
Porträts von Menschen in ihrer individuellen Präsenz – mit ihren Haltungen, ihrer Verletzlichkeit, ihrer Stärke und ihrer Eigenart.
Christopher Schlesinger übersetzt diese Begegnung in das Medium der Skulptur. Der Mensch bleibt Ausgangspunkt, wird jedoch nicht abgebildet. Körper, Haltung und Ausdruck werden in eine eigene Formensprache überführt. Dabei bestimmt das Holz den Prozess wesentlich mit. Maserung, Wuchs, Spannung, Bruch und Widerstand des Materials werden nicht korrigiert, sondern aufgenommen und bewusst in die Gestaltung integriert. Die Figur entsteht im Spannungsfeld zwischen der Vorstellung des Künstlers und den Möglichkeiten und Eigenheiten des Materials.
So begegnen sich in der Ausstellung nicht einfach Fotografien und Skulpturen. Es begegnen sich zwei Arten des Sehens. Die jeweils gleichen Modelle werden zu unterschiedlichen Bildern derselben Person. Die Fotografie hält einen Moment fest und bewahrt die konkrete Erscheinung. Die Skulptur löst sich davon, verdichtet und transformiert. Wo die eine Position Nähe sucht, entsteht bei der anderen Distanz – wo die Fotografie beobachtet, beginnt die Skulptur zu abstrahieren.
In der Gegenüberstellung werden die Arbeiten zu gegenseitigen Resonanzräumen. Eine Fotografie verändert den Blick auf eine Skulptur; die Skulptur wiederum lässt die Fotografie anders erscheinen. Zwischen den beiden Bildern entsteht ein Zwischenraum – o^en für Wahrnehmung, Erinnerung und
Interpretation. Denn vielleicht zeigt Kunst einen Menschen nicht dann am deutlichsten, wenn sie ihn möglichst genau abbildet, sondern wenn sie sichtbar macht, wie unterschiedlich ein Mensch gesehen werden kann.
Zur Ausstellung spricht Kuratorin und Kunsthistorikerin Mag.a Marlene Elvira Steinz.
Wann: Eröffnung: Mo, 9/11/2026, 19 Uhr
Wo: Galerie der Stadt Vöcklabruck, Lebzelterhaus, Hinterstadt 13–15, 4840 Vöcklabruck
Laufzeit 9–21/11/2026
Öffnungszeiten Mo–Sa 10–13 Uhr – individuelle Termine auf Anfrage unter 0664 8352413