
© Catherine Ebser
Vom 2.–6. November 2026 sind ausgewählte Bilder der Åhnlroas 2024–2026 im EU-Parlament Brüssel zu sehen. Eine Auswahl der außergewöhnlichen Portraits reist damit erstmals auf die europäische Bühne und trifft dort auf ein Thema, das längst keine österreichische Besonderheit
mehr ist: Der demographische Wandel betrifft ganz Europa und weit darüber hinaus.
Unsere Gesellschaft wird immer älter und gleichzeitig wird Alter in Medien und Social Media kaum sichtbar. Zu sehen ist: makellose Haut, Jugend als Ideal, absurde Beauty-Rituale und Filter als neue Normalität. Nie zuvor waren Schönheitsideale so allgegenwärtig, so unerreichbar und so
folgenreich für das Selbstbild ganzer Generationen.
Das Åhnlroas Projekt setzt dem einen bewussten Kontrapunkt. Die Portraits feiern das perfekte Unperfekte: gelebte Körper, Falten, die Geschichten erzählen und bunte Persönlichkeiten. Sie öffnen den Blick für Schönheit, die keinen Filter kennt und keine Schablonen will. Gleichzeitig ist die Åhnlroas ein Projekt der Begegnung. Jung lernt von Alt, Alt lernt von Jung. Für die Ausstellung 2026 in Bad ischl haben erstmals Schülerinnen der HLW Bad Ischl aktiv mitgestaltet. Sie begleiteten
Fotoshootings, unterstützten bei Make-Up/Styling und führten im Hintergrund Interviews mit den Senior*innen. Gespräche über Lebensfreude, Erfahrung und das, was wirklich zählt.
Das Projekt Åhnlroas wurde 2024 im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 gestartet und seither stetig weiterentwickelt. 2025 wurde eine Lehrperson eingebunden, 2026 gestalteten Schülerinnen das Projekt aktiv mit. Die Ahnlroas bietet einen
niederschwelligen, kreativen Raum, in dem Generationen einander begegnen und gemeinsam etwas entstehen lassen, das größer ist als die Summe seiner Teile.
Die Åhnlroas trägt nun diese Botschaft ins Herz Europas. Denn der demographische Wandel stellt uns alle vor große Fragen, nicht zuletzt angesichts des wachsenden Pflegeaufwandes.
Die Antworten darauf brauchen Mut zum Umdenken: bei Ausbildung im Sozialbereich, in der
Art, wie wir Betreuung gestalten, und vor allem in der Haltung, mit der wir älteren Menschen begegnen. Generationenverbindende Begegnungen wie die Ahnlroas zeigen, was möglich ist, wenn wir den Menschen in seiner ganzen Individualität sehen und nicht vorrangig die*den „Patient*in“. Alter ist kein Stillstand. Es ist Erfahrung, Würde, Humor, Kraft und darin liegt unsere gemeinsame Zukunft.
Catherine Ebser, geboren 1982 in Klagenfurt, aufgewachsen in Bad Ischl. Fotografin & Künstlerische Leitung. Ebser widmet sich seit vielen Jahren den Themen Altersbilder, Sichtbarkeit im Alter und „Arts & Elderly Care“. Mit viel Liebe zum Detail porträtiert sie Senior*innen als lebendige Kunstwerke – und richtet damit den Blick auf uns selbst als alternde Gesellschaft.
Wann: Di, 3/11/2026, 18 Uhr
Wo: Europäisches Parlament, ASP 03 ZONE D-G – BAR AREA